Diese Woche war mein Wochenlimit bei Claude schon am Montag weg, und vor mir lagen fünf Tage, in denen ich das Modell nicht mehr nutzen konnte oder zumindest nicht sollte. Ich hätte weitermachen können, indem ich noch einen Plan dazunehme oder Credits nachkaufe. Das mache ich aber nicht gerne, also habe ich es gelassen.

Der Weg dorthin war der übliche. Ich habe mit dem kleineren Plan angefangen, bin schnell an die Grenze gekommen und habe auf den größeren gewechselt, weil das die naheliegende Antwort war. Dort habe ich dann festgestellt, dass ich auch an diese Grenze schnell komme. Neben dem Fünf-Stunden-Fenster gibt es bei Anthropic ein Wochenlimit, und genau das ist es, das einen am Anfang der Woche für den Rest der Woche aus dem Spiel nimmt.

Mein erster Impuls war Ärger. Mein zweiter, ein paar Tage später, war eher Erleichterung, und über die will ich hier nachdenken.

Das Limit, das auf keiner Preisseite steht

Mit den Modellen mache ich immer mehr gleichzeitig. Das geht alles so flüssig und so einfach, dass die Schwelle für ein neues Projekt praktisch verschwunden ist, ähnlich wie ich es bei meiner ersten fertigen Chrome Extension erlebt habe. Damals war das ein Geschenk. Heute ist es manchmal zu viel. Ich vibe-code an einer Sache, lasse nebenbei einen Gedanken zu einer anderen laufen und mir zwischendurch noch ein Rezeptbuch anlegen, und es hört einfach nicht auf.

Je mehr Ideen ich habe und je schneller ich sie umsetzen kann, desto eher neige ich dazu, noch mehr zu starten, noch mehr umzubauen, noch mehr parallel zu halten. Irgendwann arbeitet der Kopf nur noch im Verbund mit dem Modell, und dieser Verbund kennt keinen Feierabend. Über das Tempo, mit dem neue Werkzeuge erscheinen, habe ich schon geschrieben, dass Vollständigkeit das falsche Ziel ist. Hier geht es um etwas Näheres: um das, was ich selbst jeden Tag aufmache.

Ich glaube, ich stoße dabei unabhängig vom Usage an ein zweites Limit, eine Art Brain Capacity Limit. Viele Dinge gleichzeitig wären vielleicht noch machbar. Viele verschiedene Dinge gleichzeitig, mit jeweils eigenem Kontext, eigener Codebasis und eigenen offenen Fragen, sind es irgendwann nicht mehr, und das merke ich nicht an einer Fehlermeldung, sondern daran, dass ich abends nicht mehr weiß, in welchem Projekt ich welche Entscheidung getroffen habe. Das Modell hält den Kontext für mich, solange die Session läuft. Ich nicht. Mein Kopf muss ihn über alle Sessions hinweg halten, und dafür ist er nicht gebaut.

Zur Pause verdonnert

Die fünf Tage ohne LLM waren keine Entscheidung von mir. Ich wurde dazu verdonnert, und ich vermute, genau deshalb haben sie funktioniert. Freiwillig hätte ich keine Pause gemacht, dafür ist das Arbeiten mit den Modellen zu angenehm, und es gibt immer noch eine Idee, die gerade jetzt umsetzbar wäre.

Was in den Tagen passiert ist, kann ich nicht messen. Ich kann nur sagen, dass es dem Kopf gutgetan hat und dass ich weniger angefangen habe, was vermutlich ohnehin liegen geblieben wäre.

Offen bleibt für mich, ob ich auf das nächste Limit warte oder die LLM-Pause selbst einplane. Ehrlich gesagt traue ich mir Letzteres noch nicht zu. Solange das so ist, nehme ich das Wochenlimit nicht mehr als Ärgernis, sondern als die Pause, die ich mir selbst nicht gönnen würde. Dass mehr Durchsatz nicht automatisch mehr Überblick bedeutet, ist übrigens auch ein Argument, das mir beim Thema Microservices und Vibe Coding schon einmal begegnet ist.